Von Taimoor Ismail · Aktualisiert am 5. Oktober 2026
Kurzantwort: Bei der 4-Tage-Woche gibt es drei Modelle: Entweder werden die bisherigen Wochenstunden einfach auf vier Tage verteilt, Sie arbeiten weniger Stunden bei vollem Lohnausgleich, oder Sie arbeiten weniger Stunden mit anteiliger Gehaltskürzung. Auch der Urlaub wird umgerechnet – aus 30 Urlaubstagen bei einer 5-Tage-Woche werden bei einer 4-Tage-Woche 24 Tage.
1. Die drei Modelle der 4-Tage-Woche
„4-Tage-Woche“ ist kein feststehender Begriff – entscheidend ist, was mit Ihrer Arbeitszeit und Ihrem Gehalt passiert. In der Praxis haben sich drei Modelle etabliert:
- Modell A – Gleiche Stunden, 4 Tage: Die Wochenstunden bleiben gleich und werden nur auf vier Tage verteilt. Aus 5 × 8 Stunden werden zum Beispiel 4 × 10 Stunden. Das Gehalt ändert sich nicht.
- Modell B – Weniger Stunden, voller Lohnausgleich: Die Wochenstunden sinken (zum Beispiel von 40 auf 32), das Gehalt bleibt trotzdem in voller Höhe erhalten. Dadurch steigt der effektive Stundenlohn.
- Modell C – Weniger Stunden, anteiliges Gehalt: Die Wochenstunden sinken und das Gehalt wird im gleichen Verhältnis gekürzt. Der effektive Stundenlohn bleibt unverändert.
Die folgende Tabelle zeigt alle drei Modelle am Beispiel von 40 Wochenstunden und 4.000 € Monatsbrutto:
| Modell | Wochenstunden | Tagesarbeitszeit | Monatsbrutto | Effektiver Stundenlohn |
|---|---|---|---|---|
| A – Gleiche Stunden, 4 Tage | 40 h | 10,0 h | 4.000 € | 23,08 € |
| B – Weniger Stunden, Lohnausgleich | 32 h | 8,0 h | 4.000 € | 28,85 € |
| C – Weniger Stunden, anteilig | 32 h | 8,0 h | 3.200 € | 23,08 € |
2. So rechnen Sie Ihr Gehalt um
Bei Modell C gilt eine einfache Verhältnisformel:
Gehalt neu = Gehalt × Stunden neu ÷ Stunden alt
Beispiel: 4.000 € × 32 ÷ 40 = 3.200 €. Bei den Modellen A und B bleibt das Gehalt unverändert – eine Umrechnung entfällt dort. Der Rechner oben auf dieser Seite wendet automatisch das von Ihnen gewählte Modell an.
3. Urlaubsumrechnung: Aus 30 werden 24 Tage
Der Urlaubsanspruch richtet sich nach der Zahl der Arbeitstage pro Woche – nicht nach den geleisteten Stunden. Wer von fünf auf vier Arbeitstage wechselt, rechnet seine Urlaubstage deshalb mit dem Faktor 4/5 um:
Urlaub neu = Urlaub alt × 4 ÷ 5 (gerundet)
Aus 30 Urlaubstagen werden so 24 Tage. In Urlaubswochen ausgedrückt ändert sich nichts: 30 Tage bei fünf Arbeitstagen entsprechen sechs Wochen – genau wie 24 Tage bei vier Arbeitstagen. Die Umrechnung gilt auch für Modell A: Die Zahl der Urlaubswochen bleibt gleich, nur die Zählung in Tagen sinkt von 30 auf 24.
4. Was passiert mit Steuer und Sozialversicherung?
Für Steuer und Sozialversicherung gibt es keinen Sonderstatus „4-Tage-Woche“. Wer seine Stunden reduziert, gilt schlicht als Teilzeitkraft: Beiträge und Lohnsteuer werden vom tatsächlichen Bruttogehalt berechnet.
- Sozialversicherung: Die Beiträge zur Renten-, Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung werden prozentual vom Monatsbrutto abgezogen. Sinkt das Brutto (Modell C), sinken die Beiträge im gleichen Verhältnis.
- Lohnsteuer: Sie richtet sich nach Steuerklasse und Bruttogehalt. Weil der Einkommensteuertarif progressiv verläuft, sinkt bei geringerem Brutto auch der durchschnittliche Steuersatz.
In der Praxis bedeutet das: Bei Modell C fällt das Netto weniger stark als das Brutto, weil auch die Abgaben sinken. Bei den Modellen A und B ändert sich an Steuer und Sozialversicherung nichts, weil das Gehalt gleich bleibt.
5. Rechenbeispiel: Von 40 auf 32 Stunden (Modell C)
Eine Vollzeitkraft mit 40 Wochenstunden und 4.000 € Monatsbrutto wechselt auf 32 Stunden an vier Tagen – bei anteiligem Gehalt (Modell C):
- Monatsbrutto neu: 4.000 € × 32 ÷ 40 = 3.200 €
- Tagesarbeitszeit: 32 ÷ 4 = 8,0 Stunden
- Effektiver Stundenlohn: 3.200 € ÷ (32 × 4,333) ≈ 23,08 € pro Stunde – exakt so hoch wie vorher (4.000 € ÷ (40 × 4,333) ≈ 23,08 €)
- Urlaubstage neu: 30 × 4 ÷ 5 = 24 Tage
Das Beispiel zeigt den Kern von Modell C: Der Stundenlohn bleibt exakt gleich – Sie verdienen pro Stunde genauso viel wie zuvor, arbeiten aber einen Tag weniger pro Woche.
6. Vor- und Nachteile der 4-Tage-Woche
Ein zusätzlicher freier Tag pro Woche bedeutet weniger Pendelzeit und -kosten sowie mehr Zeit für Familie, Weiterbildung oder Erholung. Viele Beschäftigte empfinden die komprimierte Arbeitswoche als deutlichen Gewinn an Lebensqualität.
Auf der anderen Seite werden bei Modell A die Arbeitstage spürbar länger: Zehn Stunden am Tag sind nach § 3 ArbZG nur ausnahmsweise und mit zeitlichem Ausgleich zulässig. Bei Modell C sinkt das Monatsgehalt deutlich – das wirkt sich langfristig auch auf die spätere Rente aus. Und die Umstellung erfordert organisatorische Anpassungen im Team, etwa bei Vertretungen und Erreichbarkeit.
Welches Modell passt, hängt von den eigenen Prioritäten ab: Wer vor allem Zeit gewinnen möchte und einen Gehaltsverzicht verkraftet, wählt Modell C. Wer keine Einbußen hinnehmen will, verhandelt Modell B oder verteilt die volle Stundenzahl auf vier Tage (Modell A).
7. Häufige Fragen (FAQ)
Bekomme ich bei der 4-Tage-Woche weniger Gehalt?
Das hängt vom Modell ab. Bei Modell A (gleiche Stunden, nur anders verteilt) und Modell B (weniger Stunden mit vollem Lohnausgleich) bleibt Ihr Gehalt unverändert. Nur bei Modell C (weniger Stunden mit anteiliger Kürzung) sinkt das Gehalt im Verhältnis der Stunden – zum Beispiel von 4.000 € auf 3.200 € bei einem Wechsel von 40 auf 32 Stunden.
Wie werden meine Urlaubstage umgerechnet?
Die Urlaubstage werden mit dem Faktor 4/5 umgerechnet und gerundet: Urlaub neu = Urlaub alt × 4 ÷ 5. Aus 30 Urlaubstagen bei einer 5-Tage-Woche werden so 24 Tage bei einer 4-Tage-Woche. In Urlaubswochen gemessen bleibt der Anspruch gleich – es sind weiterhin sechs Wochen.
Wie lang ist ein Arbeitstag bei 4 × 10 Stunden?
Zehn Stunden – das ist nach § 3 Arbeitszeitgesetz (ArbZG) die absolute Obergrenze pro Werktag und nur ausnahmsweise zulässig, wenn im Durchschnitt von sechs Kalendermonaten acht Stunden werktäglich nicht überschritten werden. Bei mehr als neun Stunden Arbeitszeit sind außerdem mindestens 45 Minuten Pause vorgeschrieben (§ 4 ArbZG).
Muss mein Arbeitgeber der 4-Tage-Woche zustimmen?
In der Regel ist eine Änderung des Arbeitsvertrags erforderlich. Einen Anspruch auf weniger Stunden gibt es nach dem Teilzeit- und Befristungsgesetz (TzBfG): Wer länger als sechs Monate in einem Betrieb mit mehr als 15 Beschäftigten arbeitet, kann eine Verringerung der Arbeitszeit verlangen. Der Arbeitgeber kann den Wunsch jedoch aus betrieblichen Gründen ablehnen.
Was passiert mit meinen Überstunden?
Überstunden werden auch in der 4-Tage-Woche wie bisher erfasst und nach den geltenden Regeln ausgeglichen oder vergütet. Beachten Sie aber: Bei Modell A (4 × 10 Stunden) ist die Tageshöchstgrenze des Arbeitszeitgesetzes bereits ausgeschöpft – zusätzliche Überstunden sind an diesen Tagen rechtlich kaum möglich.
Ist die 4-Tage-Woche gesetzlich geregelt?
Nein, es gibt kein eigenes Gesetz zur 4-Tage-Woche. Es gilt das normale Arbeitsrecht: Das Arbeitszeitgesetz begrenzt den Arbeitstag auf maximal zehn Stunden und schreibt elf Stunden Ruhezeit zwischen zwei Arbeitstagen vor. Die konkrete Ausgestaltung – Stunden, Gehalt und Urlaub – wird im Arbeitsvertrag, in einer Betriebsvereinbarung oder im Tarifvertrag festgelegt.
Verwandte Rechner
- Teilzeitrechner – Arbeitszeit und Gehalt bei Teilzeit berechnen
- Arbeitszeitgesetz Pausen – Pausenregelung und Ruhezeit nach ArbZG
- Stundenlohnrechner – Stundenlohn und Monatslohn umrechnen
Unverbindliche Schätzung, keine Rechtsberatung. Stand: Oktober 2026.
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In einer 4-Tage-Woche lassen sich Überstunden oft über Gleitzeit ausgleichen – mit dem Gleitzeit-Rechner behalten Sie Plus- und Minusstunden im Blick.